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Jul 19
Pflegegeld und Pflegegrade – Eine Übersicht

Seit 2017 wird Pflegebedürftigkeit in fünf Grade eingeteilt. Die Pflegegrade lösen die bis 2016 gültigen Pflegestufen ab. Um den Pflegegrad zu ermitteln, bewertet der Gutachter des Medizinischen Dienstes der Kranken- und Pflegeversicherung (MDK) wie schwer die Selbständigkeit beeinträchtigt ist. Die Zuordnung zu einem Pflegegrad erfolgt anhand eines Punktesystems. Die Punktzahl spiegelt also die Schwere der Pflegebedürftigkeit wieder und damit auch den Pflegegrad. Vom Pflegegrad hängt wiederum ab, auf welche Pflegeleistungen der Pflegebedürftige Anspruch hat.

Je nach Grad der Pflegebedürftigkeit werden die betreffenden Personen in einen der fünf Pflegegrade eingestuft:

Pflegegrad I (geringe Beeinträchtigung der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten) 12,5 bis unter 27 Gesamtpunkte
Bedarf: Diese niedrigste Stufe der Pflegebedürftigkeit kommt für Menschen in Frage, die die Grundbedingungen für die bis 2016 gültige Pflegestufe 0 nicht erfüllt haben. Mit dem Pflegestärkungsgesetz haben auch sie die Chance auf eine Unterstützung der Pflegeversicherung.
Pflegegrad II (erhebliche Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten) 27 bis unter 47,5 Gesamtpunkte
Bedarf: Der Pflegegrad 2 entspricht der bis 2016 gültigen Pflegestufe 0 und der Pflegestufe 1 ohne eingeschränkte Alltagskompetenz.
Pflegegrad III (schwere Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten) 47,5 bis unter 70 Gesamtpunkte
Bedarf: Dem Pflegegrad 3 entsprechen die bis Ende 2016 gültigen Pflegestufen 1 (mit eingeschränkter Alltagskompetenz) und 2 (ohne eingeschränkte Alltagskompetenz).
Pflegegrad IV (schwerste Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten) 70 bis unter 90 Gesamtpunkte
Bedarf: Wer bis Ende 2016 die Pflegeleistungen der Pflegestufe 2 (mit eingeschränkter Alltagskompetenz) und 3 in Anspruch genommen hatten, erhält nun die Einstufung in Pflegegrad 4.
Pflegegrad V (schwerste Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung) 90 bis 100 Gesamtpunkte
Bedarf: Dem Pflegegrad 5 werden Menschen zugeordnet, die bis 2016 in die Pflegestufe 3 bzw. als „Härtefall“ eingestuft waren.

Zu den Leistungen der Pflegeversicherung sind nachfolgend die relevantesten aufgeführt (Beträge gültig ab 1.1.2017):

Leistungen Pflegegrad 1 Pflegegrad 2 Pflegegrad 3 Pflegegrad 4 Pflegegrad 5
Pflegegeld 316 EUR 545 EUR 728 EUR 901 EUR
Sachleistung 689 EUR 1.298 EUR 1.612 EUR 1.995 EUR
Teilstationär 689 EUR 1.298 EUR 1.612 EUR 1.995 EUR
Vollstationär 125 EUR
Zuschuss
770 EUR 1.262 EUR 1.775 EUR 2.005 EUR
Entlastungsbetrag 125 EUR 125 EUR 125 EUR 125 EUR 125 EUR
Kurzzeitpflege* 1.612 EUR 1.612 EUR 1.612 EUR 1.612 EUR
Verhinderungspflege* 1.612 EUR 1.612 EUR 1.612 EUR 1.612 EUR
Pflegehilfsmittel 40 EUR 40 EUR 40 EUR 40 EUR 40 EUR
Wohnumfeld-
verbesserung,
pro Maßnahme
4.000 EUR 4.000 EUR 4.000 EUR 4.000 EUR 4.000 EUR
Wohngruppen-
zuschlag
214 EUR 214 EUR 214 EUR 214 EUR 214 EUR
Beratungseinsatz** 23 EUR 23 EUR 23 EUR 33 EUR 33 EUR

*pro Kalenderjahr

**Pflegegrad 1-3 halbjährlich; Pflegegrad 4-5 vierteljährlich

Jun 02
Was bedeutet Pfegebedürftigkeit?

Als pflegebedürftig definiert der Gesetzgeber nach § 14,1 SGB XI alle Personen, die durch körperliche, geistige oder seelische Erkrankungen oder Behinderungen nicht in der Lage sind, die regelmäßig erforderlichen Verrichtungen des Alltags auszuführen und deshalb in erheblichem oder höherem Maße fremder Hilfe bei der Körperpflege, Ernährung oder Mobilität bedürfen. Die Pflegebedürftigkeit muss auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate gegeben sein.

Die Pflegeversicherung übernimmt Leistungen der Grundpflege (Körperpflege, Ernährung, Mobilität) und der hauswirtschaftlichen Versorgung.

Liegt Pflegebedürftigkeit vor, so kann der Pflegebedürftige bei der Pflegekasse, die seiner Krankenkasse angegliedert ist, einen Antrag auf Einstufung in die Pflegeversicherung stellen. Die erforderlichen Formulare können bei der Kasse angefordert werden. Nach Eingang des Antrags wird der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) von der Pflegekasse beauftragt, ein Gutachten über die Pflegebedürftigkeit der betreffenden Person zu erstellen. Hierfür wird ein Termin beim Pflegebedürftigen vor Ort vereinbart. Mit Hilfe des Gutachtens entscheidet die Pflegekasse über die Einstufung.

Je nach Grad der Pflegebedürftigkeit werden die betreffenden Personen in eine der drei Pflegestufen eingestuft:

Pflegestufe I (Erhebliche Pflegebedürftigkeit)
Bedarf: Hilfe bei mindestens 2 Verrichtungen aus dem Bereich der Grundpflege mindestens einmal täglich und zusätzlich mehrfach wöchentlich Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung.
Zeitaufwand: mind. 1,5 Std. pro Tag, davon mehr als 45 Min. Grundpflege
Pflegestufe II (Schwerpflegebedürftigkeit)
Bedarf: Hilfe im Bereich der Grundpflege dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten und zusätzlich mehrfach wöchentlich Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung.
Zeitaufwand: mind. 3 Std. pro Tag, davon min. 2 Std. Grundpflege
Pflegestufe III (Schwerstpflegebedürftigkeit)
Bedarf: Hilfe im Bereich der Grundpflege täglich rund um die Uhr und zusätzlich mehrfach wöchentlich Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung.
Zeitaufwand: mind. 5 Std. pro Tag, davon min. 3 Std. Grundpflege





Zu den Leistungen der Pflegeversicherung sind nachfolgend die relevantesten aufgeführt:

Pflegeleistungen und Höchstbeträge
Leistung Pflegestufe I Pflegestufe II Pflegestufe III
Häusliche Pflege pro Monat (Sachleistung)
bei Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst
440,00 € 1.040,00 € 1.510,00 €
Pflegegeld pro Monat
(Geldleistung) bei pflegenden Anghörigen oder privat engagierten Pflegekräften
225,00 € 430,00 € 685,00 €
Ersatzpflegekraft im Kalenderjahr
(Urlaubs-/Abwesenheitsvetretung)
1.510,00 € 1.510,00 € 1.510,00 €
Kurzzeitpflege im Kalenderjahr 1.510,00 € 1.510,00 € 1.510,00 €
Teilstationäre Pflege pro Monat
(z.B. bei einer Unterbringung in einer Tagesklinik)
440,00 € 1.040,00 € 1.510,00 €
Vollstationäre Pflege pro Monat
(Heimunterbringung)
1.023,00 € 1.279,00 € 1.510,00 €
Quelle AOK – Stand 01.01.2010